Das "Katz und Maus Spiel" von Ückeritz

Anfang der 1950er Jahre machten wir Jungs uns vom Neuhofer Strand aus öfter auf den Weg zum illegalen FKK-Strand am Zeltplatz Ückeritz. Dort konnte regelmäßig folgendes Schauspiel beobachtet werden: Schon beim Eintreffen sahen wir die Polizei an den Strandzugängen und beobachteten das „Katz und Maus Spiel“. Wenn der auf einem Zugang stehende Polizist sehr angestrengt auf die Ostsee schaute, war bei den Strandbesuchern FKK angesagt. Dann aber plötzlich richtete sich sein Blick auf eine unbekleidete Eva und er erinnerte sich an seine hohe Aufgabe. Ohne große Eile ging er auf die betreffende Dame zu, während diese genügend Zeit fand, mit einem Taschentuch ihre Blöße zu bedecken. In einem gewissen Zeitabschnitt wiederholte sich dann dieses Spiel.
(Quelle: IGEL Verlag, Hans-Ulrich Bauer: Badegäste mit Anzug und Weste Seebad Heringsdorf 2006)
Die Geschäftsidee des Eismanns
Zum Thema Effi fällt mir spontan einer meiner damaligen Schüler ein, Dietmar S. der Mann mit dem Eis am Stiel, er erzählte mir eines Tages, er habe jetzt die Marktwirtschaft durchblickt, er habe sich Eistruhen besorgt, und verkaufe jetzt Eis am Strand mit seinem entsprechend isolierten Handwagen. - Am Textilstrand mit Badehose, am Effi mit Badehose auf dem Kopf und unten ohne. Am Bansiner Strand führte er mehrere Jahre einen Kleinkrieg mit diversen Gästen, die der Ansicht waren, der Handel sei in besonderem Maße unhygienisch. Er konnte jedoch damit nicht gestoppt werden, denn er verkaufte ja nur verpacktes Eis. Man hat Ihm aber in den letzten Jahren seine geradezu grenzüberschreitende Tätigkeit vergällt. Heute ist der alte Schwung hin. Eis am Stiel gibt es nur noch industriell vermarktet, aus Elektrokarren, die Marktlücke ist jetzt geschlossen, ohne dass die Hose heruntergelassen wird. – Bansin ist um eine Attraktion ärmer.
Der perfekte Platz zum Schiffe beobachten

In einem Strandrestaurant gab es eine Terrasse, die in den Dünenbereich hineinreichte und von den vorderen Plätzen einen besonders guten Ausblick auf den Effi zuließ. Hier war das Revier eines besonders cleveren Kellners, zu erkennen an einer „edlen“ Kunstlederbierschürze einer Kölner Brauerei. Er plazierte männliche Gäste gern in den vorderen Bereich „weil man von da aus besser Schiffe beobachten kann“. Auf dem Verzehrbon schrieb er dann „Service 20 %“ und rechnete den Betrag der Abrechnung hinzu. Auf meine Nachfrage was das solle, fragte er ganz unschuldig, „haben sie nicht perfekt gesessen und haben wir nun freie Marktwirtschaft – oder nicht."
Der Hobbyastrologe
Wir hatten damals mehrfach einen Kunden aus dem Münsterland im Hotel der immer ein bestimmtes Zimmer haben wollte. Eines Tages rief mich Frau F. die Zimmerfrau, und zeigte mir in dem Zimmer ein Stativfernglas mit nahezu Astro-Brennweite aber nicht etwa auf den Sternenhimmel gerichtet sondern auf den FKK-Strand. Am Abend verwickelte ich dann den Gast in eine Unterhaltung über die Ringe des Saturn und Meteoriten sowie schwarze … im Weltraum (es war ihm jedenfalls peinlich, denn am nächstenTag hatte er das Glas abgebaut und verstaut.)
Der Gang ins Restaurant
An einem Abend saß ich an meiner Rezeption und unterhielt mich mit den nach Hause kommenden Gästen des Hotels. Frau H. eine sehr attraktive Mitvierzigerin erschien, direkt vom FKK Strand kommend mit hochgeschobener Sonnenbrille und oberbekleidet mit Lacoste-shirt – und weiter nichts. Sie wollte ihren Schlüssel nicht, sondern sie wollte erst noch ins Restaurant. Ich schaute an Ihr vorbei und sagte: "Alles was ich sehe ist völlig in Ordnung. Sie sah an sich herab und nahm dann doch errötend ihren Zimmerschlüssel. Bei der Abreise erhielt ich eine schöne Portion Goldstaub (Trinkgeld).
Die Freunde in und ohne Badehose
Nicht alle Gäste die tagsüber die Zeit am FKK Strand zubrachten waren aber auch tolerant gegenüber den Textilgästen. Nach dem Konsum von ein paar Bier bezeichnete ein FKK-Gast andere Gäste die wohl am Tag mehrfach bekleidet durch den FKK Bereich gegangen waren als „Spanner". Es entspann sich hieraus ein hitziges Streitgespräch. Einige Tage später saßen die Streithähne mit Ihren Frauen gemeinsam beim Abendbrot. Man war sich über ein gemeinsames Hobby, das Motoradschrauben näher gekommen und verbrachte die zweite Woche gemeinsam „on the road – and beach“ - unerheblich auf welcher Seite.
(Quelle: Fritz Spalink, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft zu Heringsdorf -
Erinnerungen Juli 2009)